Sozioökonomische Steuerung

 
 
Flyer TP 08

TP 08:
Alternative Wertschöpfungsnetze - Ökonomische Bewertung und Steuerung

 

Ziele

Ziele

In dem Teilprojekt werden ökonomische Fragen zur Entwicklung alternativer Wertschöpfungsnetze im Gesamtprojekt untersucht. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Bewertung und Steuerung von möglichen Synergie- und Konkurrenzeffekten in der Landnutzung. Insofern spielt die Lebensmittelproduktion ebenso eine Rolle wie die Entwicklungschancen der Bioenergieproduktion oder des Tourismus. Abschließend soll dieses Teilprojekt Handlungsempfehlungen dazu abgeben, wie nachhaltige regionale Wertschöpfungsnetze gestaltet und gesteuert werden können.

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Vorgehensweise

Vorgehensweise

Dieses Teilprojekt hat sowohl betriebswirtschaftliche Dimensionen als auch sozialwissenschaftliche Fragestellungen bei der Durchführung innovativer Landnutzungsstrategien auf Niedermooren und Grenzertragsstandorten sowie beim Phosphorrecycling untersucht. Der Entwurf alternativer Wertschöpfungsnetze hat sich dabei vor allem auf die Analyse von Transaktionskosten, Wertschöpfungseffekten und Institutionen gestützt. Bei der Entwicklung von Unternehmenskooperationen in Form von Betreibermodellen wurden good Practices auf Organisationsstruktur, Finanzierung und Einbeziehung relevanter Stakeholder untersucht. Auf dessen Grundlage wurden mögliche Übertragungsmerkmale auf konzeptionelle Betreibermodelle für die Forschungsregion abgeleitet. Mit Hilfe von Balanced Scorecards wurden verschiedene Interessen strategisch zielgerichtet und letztlich Organisationsabläufe optmiert.

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Mitarbeiter

Teilprojektleitung

Prof. Dr. Mario Stoffels
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
Dr. Philipp Grundmann
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB)

 

Mitarbeiter(innen)

Oliver Maaß (ATB)
Dr. Carlotta von Bock und Polach (ATB)
Petra Schönicke (BIOPOS)
René Tettenborn (HNEE)
Katharina Oelschläger (HNEE)
Nicole Petzke (HNEE)

 

Partner

Prof. Dr. Anna Häring (HNEE)
Prof. Dr. Pape (HNEE)
Prof. Dr. Birgit Kamm (BIOPOS)

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Zentrale Ergebnisse

Eine Vernetzung der Wertschöpfungsketten der Abwasserbehandlung und der Pflanzenproduktion kann zu signifikanten Kosteneinsparungen und einer höheren Wertschöpfung insbesondere im ländlichen Raum führen. Beispielsweise können die in der unterschiedlichen Landbewirtschaftung anfallenden Biomassen, die nicht für die Nahrungs- und Futtermittelherstellung geeignet sind, in einer LCF-Bioraffinerie (siehe Abbildung), in innovativen Wertschöpfungsketten verarbeitet und dadurch stofflich und energetisch genutzt werden. Somit ergibt sich eine denkbare, zukünftige Wertschöpfung im ländlichen Raum, die übertragbar ist und anwendbar auch auf andere ländliche Gebiete Deutschlands und Europas.

Die zukünftigen Kosteneinsparungs- und Wertschöpfungspotenziale werden maßgeblich von Änderungen des institutionellen Rahmens für die Abwassernutzung und Pflanzenproduktion beeinflusst. Für die Entwicklung von Wertschöpfungsnetzen ist aber auch das Maß an sozialen Beziehungen unter den beteiligten Akteuren, der Zugang zu Informationen und damit die Bereitschaft zur Partizipation und Kooperation aller beteiligten Akteure wichtig. Die gewonnenen Erkenntnisse können für die Gestaltung von Kooperationsmodellen, Vertragsoptionen, Förderprogrammen und sonstigen institutionellen Strukturen genutzt werden und somit einen Beitrag zur Entwicklung von alternativen Wertschöpfungsketten leisten.


Abbildung: Konzeption von innovativen Wertschöpfungsketten in einer LCF-Bioraffinerie

 

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden verschiedene Betreiber- und Finanzierungsmodelle für die nachhaltige Nutzung von Niedermoorflächen, Nutzung von Grenzertragsstandorten (Tettenborn & Pape in ElaN Discussion Paper Wansdorf), Nutzung von gereinigtem Abwasser (ebenda), Recyclingoptionen von Phosphor aus Abwasser (Oehlschläger, Tettenborn & Pape in ELaN Discussion Paper Institutionenanalyse) entwickelt. Die Projektergebnisse konnten u.a. bei der Gründung einer Betreibergesellschaft zur Landsicherung und Förderung der regionalen Landwirtschaft in der Forschungsregion wichtige Beiträge leisten (www.oekonauten-eg.de). Zusätzlich wurde eine modulare Balance Score Card für die unterschiedlichen Betreibermodelle entwickelt. Hauptnutzen ist, die transparente Visualisierung von Zielkonflikten zwischen wirtschaftlichen und umweltpolitischen Interessen bei der langfristigen Planung von komplexen Betreibergesellschaften zu unterstützen. Diese wird durch die Projektpartner teilweise weiterentwickelt und verwendet.

Im Untersuchungsgebiet Uckermark/Barnim konnte für eine großflächige Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen mit Klarwasser nach Ausschluss von Flächen, die aus naturschutzfachlichen und wasserwirtschaftlichen Gründen geschützt sind, ein größeres Areal zusammenhängender Feldblöcke südöstlich der Kläranlage Schönerlinde ermittelt werden. Die Infrastruktur für die Zuleitung des Klarwassers zu den Beregnungsgebieten sowie ein kontinuierliches Monitoring würden einen sehr hohen Kostenfaktor darstellen. Demgegenüber stehen Kosteneinsparungen auf Seiten der Klärwerksbetreiber, aufgrund reduzierter Abwasserabgaben, sowie das Wegfallen hoher Pumpkosten, die bei einer vergleichbaren Bewässerung über Brunnen entstehen würden, auf Seiten der Landwirte. Dennoch ist die Wirtschaftlichkeit dabei stark abhängig von einem gut geplanten Beregnungsmanagement, das die Zusatzwassergaben so bedarfsgerecht und somit kostensparend wie möglich gestaltet.

Die Bewässerung von Kurzumtriebsplantagen erscheint jedoch unter der derzeitigen Marktsituation nur auf Grenzertragsstandorten oder Splitterflächen ökonomisch vorteilhaft. Die Untersuchung zeigt, dass ein großflächiger Anbau von Kurzumtriebsplantagen im Untersuchungsgebiet aufgrund der als gering einzuschätzenden Wassernutzungseffizienz von Pappeln und Weiden sowie der hohen Entfernung zum Grundwasserspiegel vor Ort nicht rentabel scheint. Erst ab einem Holzhackschnitzelpreis von 120€/t kann KUP neben Soja im Untersuchungsgebiet eine Nutzungsalternative zu konventionellen Fruchtarten darstellen.  Dagegen zeigen die Ergebnisse der Modellierung, dass mit Sicherung des Wasserangebots Soja mit einem Erzeugerpreis ab 36€/dt aufgrund seiner wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit eine bedeutende Stellung in der Fruchtfolge einnehmen kann und insbesondere Fruchtarten wie Winterraps verdrängen wird. Aufgrund der geringen Ansprüche an Düngung und Pflanzenschutz und dem vergleichsweise hohen Eiweißgehalt kann Soja einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie einnehmen. Auch im Zuge der Agrarreform und des Greening bietet Soja desweiteren die Möglichkeit ökologische Vorrangflächen wirtschaftlich effizient zu nutzen, da hier Leguminosen mit dem Faktor 0,7 angerechnet werden.

Aufgrund der unzureichenden Wissenslage über die Auswirkung der Bewässerung von Lebens- oder Futtermittel mit gereinigtem Abwasser auf Mensch, Tier und Umwelt, sollten zuvor jedoch umfassende Untersuchungen durchgeführt werden.